Segeltörn in Kroatien 2005

Erfahrungen, Erlebnisse und Eindrücke während der ersten Woche

Zusammengetragen von Hans-Jürgen Amann, alias HaJot
Mitglied im Segelclub Deggendorf (SCD)

Im Mai war es endlich wieder soweit - Segeltörn in Kroatien.

Der diesjährige Segeltörn an der dalmatinischen Küste und den Kornaten war allerdings etwas Besonderes.

Zum ersten Mal war der Ausgangspunkt eine noch im Aufbau befindliche Basis, Marina Kastela (43°32,7´N, 016°24,3´E) bei Split, und zum ersten Mal sollte der Törn für mich, den Skipper, 3 Wochen dauern.

Der wöchentliche Wechselpunkt der einzelnen Crews war aus organisatorischen Gründen der Ausgangshafen, da die einzelnen Mitsegler aus nahezu ganz Deutschland kamen und ein Crewmitglied aus Österreich anreiste.

Aber der Reihe nach.

Begonnen hat alles schon bei der Hochzeit meiner Tochter im Juli 2004, bei der sich, bedingt durch die mitgebrachten Törnbilder, die ersten Mitsegler für 2005 anmeldeten.

Bis November stieg die Zahl der Interessenten an dem kommenden Törn so stark an, dass ich die Yacht, eine Bavaria 44, nach Eingang aller Mitsegelvereinbarungen (Vorlage ist unter Dokumente-Mitsegelvereinbarung zu finden) für 3 Wochen chartern konnte. Dabei habe ich auf das bewährte Team von Cosmos-Yachting© in München zurückgegriffen. Immer freundlich und bemüht alle Sonderwünsche zu erfüllen.

In den folgenden Monaten fanden die Törntreffs statt, um so alle Mitsegler umfangreich zu informieren. (Vorlage ist unter Dokumente-Besprechungspunkte erster Törntreff zu finden)

Von den 17 Crewmitgliedern hatten nur 6 mehr oder weniger umfangreiche Segelerfahrung. Für alle Anderen sollte es das erste Mal an Bord einer Segelyacht sein.

Nach Abschluss der Vorbereitungen ging es am Samstag, den 14. Mai mit der 1. Crew um 04:00 Uhr mit 3 Pkw los Richtung Split.

Straubing - Passau - Graz - Karlovac - Zadar - Split

In Österreich wurden in Leibnitz bei Hofer noch die Getränke eingekauft um so das Flaschen- und Dosenpfand zu umgehen.

Die Fahrt zog sich aufgrund der zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertiggestellten Autobahn in Kroatien und dem Einkaufsstop in Leibnitz sehr in die Länge. Insgesamt waren wir 14 Stunden unterwegs.

An dieser Stelle sei unseren beiden Mädls (11 und 13 Jahre) ein großes Lob ausgesprochen. Ohne Murren haben sie die Fahrt über sich ergehen lassen.

Nach Ankunft in der Marina Kastela wurden mein Co-Skipper und ich sofort in unsere Yacht eingewiesen und konnten sie ohne Probleme übernehmen.


Der gute erste Eindruck vom BavAdria©-Personal sollte sich in den 3 Wochen noch mehrfach bestätigen.

Die Marina Kastela ist trotz der damals noch im Bau befindlichen Anlage sehr ansprechend und die sehr großzügigen und sauberen Sanitäranlagen zusammen mit dem in der Nähe befindlichen Supermarkt und das unmittelbar an der Marina liegende Restaurant, in dem wir diesen anstrengenden 1. Tag ausklingen ließen, runden das positive Bild ab.

Tagesleistung: 980 km

 

1. Segeltag – Sonntag, 15.05.05

Wir übernahmen noch den Blister und den Außenborder fürs Dingi, setzten den Clubstander der SK (Segelkameradschaft der Pioniere, bei der ich zu der Zeit Mitglied war) unter der Backbordsaling und haben nach der Einweisung der Crew in das Boot und die Sicherheitsausrüstung

den Heimathafen verlassen.

Es ist jedes Jahr wieder ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man nach langer Abstinenz am ersten Tag die Leinen loswirft und bei strahlendem Sonnenschein langsam und fast lautlos aus dem Hafen gleitet. Die Brust geschwellt, als ob die Hand das Ruder des eigenen Bootes führen würde. Und auch bei der Crew nur glückliche und erwartungsvolle Gesichter. Alle Sorgen bleiben an Land zurück und wichtig ist nur noch die kleine Welt auf und um das Boot. Freunde, das Leben kann so schön sein!

Nach mehrmaligen Setzen und Bergen der Segel zu übungszwecken liefen wir die Insel Drvenik Veli (ostwärts der Insel Drvenik Mala) an. In der zur Tunfischzucht genutzten malerischen Bucht Mala Luka (43°26,6´N, 016°07,2´E)

machten wir an einer Tonne fest und ließen den Tag bei gutem Essen und einem Bilderbuch-Sonnenuntergang ausklingen.

Leider liegt die Bucht in der Einflugschneise des nahe gelegenen Flughafens, sodass die Stille von Zeit zu Zeit unterbrochen wird.

Tagesleistung: 29 sm

2. Segeltag – Montag, 16.05.05

Am Morgen ging es nach einem erfrischenden Bad und einem ausgedehnten Frühstück nach Skradin (43°49,0´N, 015°55,6´E) dem Eingang zu den Krka-Wasserfällen. Bei ungünstigen Winden oder einer unerfahrenen Crew muss man für die Strecke Sibenik - Skradin (9 sm im Kanal Sv Ante) unter Motor einplanen, da in engen Gewässern manövriert werden muss. Auf dem Weg setzten wir gleich einmal unseren Blister. So ein buntes Tuch an der Nase ist ein echter Blickfang.

Beim Einlaufen in Skradin wurden wir von einem ansässigen Fotografen beim Anlegen abgelichtet und konnten uns das sehr schöne Bild als Postkarte am Abend in der Marinabar abholen. Der Preis von 2,-Euro ist angesichts der guten Qualität absolut in Ordnung.

Tagesleistung: 34 sm

3. Segeltag – Dienstag, 17.05.05

Durch die Wetterdienste wurden für diesen Tag sehr starke Winde ankündigte und so entschieden wir uns im Hafen zu bleiben. Das traf sich ganz gut, da sowieso die Krka Wasserfälle auf dem Programm standen.

Von Skradin aus fährt man mit Besucherbooten zu den Wasserfällen, da die Krka für sonstigen Schiffsverkehr gesperrt ist. Dauer der einfachen Fahrt ca. 20 Minuten. Die Abfahrtszeiten sind stündlich. Wer lieber eine Wanderung zu den Wasserfällen machen will, kann dies ebenfalls tun. Die Wasserfälle sollten ein unbedingtes Muss sein, wenn man in diesem sehr idyllischen Hafen liegt. Als Zeitbedarf sind 4 Stunden sicherlich nicht zu üppig bemessen.

Tagesleistung: 0 sm

4. Segeltag – Mittwoch, 18.05.05

Die Wetterprognosen sind immer noch nicht besser, aber dennoch wollen wir weiter. Als Etappenziel haben wir uns die Marina Kremik (43°34,3´N, 015°56,6´E) gesteckt. Nach dem Ablegen in Skradin erwartet uns eine steife Brise und die Sonne lässt sich auch nicht blicken - Regen aber auch keiner. Nach passieren Sibenik setzen wir die Segel gleich mit 2.Reff. Heute lässt See und Wind ein wenig Graf-Luckner-Feeling aufkommen. Das Boot stampft durch die Wellen und Gischt kommt immer wieder vom Bug nach achtern, wenn wir eine kurze Welle erwischt haben. Die Crew hält sich erstaunlich gut, nur für die Funktion als Rudergänger ist kaum einer zu begeistern. Macht aber nichts, dann kommt der Skipper auch einmal zu seinem Vergnügen - her mit der Gischt!!

Kurz vor Erreichen der Marina Kremik erwischt uns dann doch noch ein kurzer aber heftiger Regenschauer. Und siehe da nach dieser kurzen Dusche reißt die Wolkendecke auf und die Sonne strahlt ungetrübt während wir in den Hafen eindampfen.

Die Marina Kremik dürfte in den meisten Hafenhandbüchern noch ein kleiner unscheinbarer Hafen sein, aber dem ist nicht so. Es wurden viele neue Stege angebracht und die Infrastruktur ist ebenfalls sehr gut (neues Waschhaus, Laden für Bootszubehör, Restaurant, Lebensmittelladen und Krananlage).

Tagesleistung: 27 sm

5. Segeltag – Donnerstag, 19.05.05

Wir legten schon früh ab, da wir auf unserem Weg nach Trogir (43°30,6´N, 016°14,9´E) noch in einer Bucht ankern wollen. Wir entscheiden uns für die Bucht Sicenica (43°29,9´N, 016°00,9´E) und finden darin einen guten Ankergrund. Trotz Wind hält der Anker bombenfest.

Am späten Nachmittag erreichten wir Trogir. Der Hafen ist nur aus Westen anzusteuern, da die Zufahrt aus dem Osten durch eine Brücke versperrt ist. Wenn man etwas Glück hat, ist ein Liegeplatz direkt am Stadtkai frei oder man legt sich ins Päckchen. Wir haben in der gegenüberliegenden Marina festgemacht, da nur hier die entsprechende Infrastruktur vorhanden ist. Der Fußweg in die Stadt ist in längstens 10 Minuten bewältigt und die Geräuschkulisse ist auch nicht so hoch wie direkt an der Hafenpromenade mit ihren vielen Geschäften und Straßenkaffees, darüber hinaus ist der Blick auf diese schöne Stadt aus einiger Entfernung um ein Vielfaches schöner.

Da wir zeitig angelegt hatten, wurde der restliche Tag von Teilen der Crew zu einer ersten Erkundung von Trogir genutzt.

Tagesleistung: 34 sm

6. Segeltag – Freitag, 20.05.05

Ausschlafen war angesagt und so krabbelten wir erst um 08.00 Uhr aus den Kojen.

Der Weg nach Kastela war nicht mehr weit, sodass wir keinen Zeitdruck hatten. Nach einem gemütlichen Frühstück bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen 25°C machten wir uns auf den Weg nach Trogir. Obwohl der Ort relativ klein ist, pulsiert das Leben in nicht geahnter Fülle. Hier kann das Leben, dessen Teil man selbst ist, inhaliert werden. Neben der Hafenpromenade sind die kleinen, verwinkelten Gassen mit ihren Geschäften und Restaurants ein Fest für die Sinne. Auch der Markt lädt zum Bummeln ein, vor allem deshalb, weil keine aufdringlichen Händler ihre Ware anpreisen, sondern wirklich in Ruhe gestöbert werden kann.

Gegen Mittag nahmen wir Abschied von Trogir und segelten Richtung Kastela. Bei leichtem Wind nutzten wir dieses letzte Teilstück um noch einmal mit allen Crewmitgliedern verschiedene Manöver schulmäßig zu segeln.

Nach dem Auftanken an einer eher abenteuerlich anmutenden Tankstelle außerhalb des Hafens, legten wir in unserem Ausgangshafen sicher an. Der verbrauchte Dieselkraftstoff musste nicht bezahlt werden, sondern wurde von BavAdria© übernommen. Ein Service, den ich so noch nicht erlebt habe.

Das Boot wurde nun für den Crewwechsel am nächsten Tag soweit vorbereitet, dass einer frühen Abfahrt der heimfahrenden Mitsegler nichts im Wege stand.

An diesem Abend ließen wir die ereignisreiche Woche bei einem Gläschen Wein noch einmal Revue passieren und kamen einhellig zu dem Schluss, dass es eine schöne Zeit an Bord war.

Tagesleistung: 18 sm (Wochenleistung: 142 sm)

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